11/20/2007

Irans verbale Offensive

Als Hugo Chavez im Iran ankam, umarmte er Ahmadinedjad und erklärte stolz: "Here are two brother countries, united like a single fist." Zuvor hatten Iran und Venezuela versucht, die OPEC zu überreden, in Zukunft den Euro und nicht den Dollar zu benutzen, um die Allianz mit Europa zu zementieren. Obwohl dieses Anliegen von den Erdölproduzierenden Staaten zurückgewiesen wurde, ist Chavez davon überzeugt, am Ende auf der Gewinnerseite zu stehen: "God willing, with the fall of the dollar, the deviant US imperialism will fall as soon as possible too."

Während Chavez und Ahmadinedjad mit vereinter Faust in die Luft boxen, hat der Iran eine neue diplomatische Offensive begonnen. Ziel der Mullahs ist es seit einigen Jahren, die USA davon abzuhalten den Iran anzugreifen, bis die Bombe einsatzfähig ist. Dementsprechend versucht man im Iran, die Vereinigten Staaten und Israel so lange hinzuhalten, bis es zu spät ist und so machen die Mullahs viele schöne, aber unakzeptable Angebote, über die dann lange diskutiert wird. Dabei geht es nicht darum, die US-Regierung von irgendetwas zu überzeugen, sondern darum, die Europäer für den Iran einzuspannen. Diesseits des Atlantiks hat man nämlich die unangenehme Angewohnheit, sich den Mund fusselig zu reden, vor allem dann, wenn man es mit Antisemiten zu tun hat.

Dabei ist Ahmadinedjad ein schlechter Redner. Der Mann ist Choleriker: Sobald er den Mund aufmacht, rutscht ihm eine Drohung heraus. Wenn er sich nicht gerade damit brüstet, dass man im Iran alle Schwulen umgebracht hat, beginnt er damit zu protzen, dass gerade ganz viel Uranium in Produktion ist und dass Israel von "der Landkarte gefegt" werden soll. Soetwas kommt auch in Europa nicht besonders gut an.

An Ahmadinedjads Tiraden hat man sich allerdings gewöhnt. Als er das erste Mal dazu aufrief, den jüdischen Staat zu zerstören, war die Empörung groß. Mittlerweile ist ein solcher Aufruf zum Massenmord nicht einmal mehr eine Randnotiz wert. Umso länger man etwas wiederholt, ohne dass Konsequenzen folgen, umso unglaubwürdiger wird es. Anders verhält es sich für die Leute, die im Iran leben müssen. Ihnen wird tagtäglich demonstriert, dass der iranische Staat es ernst meint. Mit Massenerschiessungen und Steinigungen stimmen die Mullahs die Bevölkerung auf den Judenmord und den Krieg gegen die USA ein.

Im internationalen Rahmen geben sich die Mullahs kompromissbereit: "Wir wollen die Atomanlagen friedlich nutzen. Wir brauchen die Dinger. Wie wäre es, wenn wir unsere friedlichen Absichten hiermit oder damit unter Beweis stellen. " Ob ihnen jemand glaubt, ist egal: Die Hauptsache ist, der Ball bleibt am rollen und die Zentrifugen in Nantanz, Isfahan und anderswo produzieren weiter Atomwaffenfähiges Uranium.

Noch während Ahmadinedjad mit Chavez die Fäuste schwingt, werden die nächsten absurden Angebote gemacht:
Im eskalierenden Streit über die Urananreicherung im Iran hat der Präsident des Landes, Mahmud Ahmadinedschad, am Sonntag eine neue Idee unterbreitet: Im Gespräch mit der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires griff er in Riad einen Vorschlag des arabischen Golfkooperationsrats (GCC) auf, Uran für Atomprogramme in einem neutralen Land, etwa der Schweiz, anzureichern. Ebenfalls am Sonntag hatte die schweizerische Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey die Bereitschaft Berns erklärt, direkte Gespräche zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln. Ahmadinedschad sagte am Rande einer Opec-Konferenz, Teheran werde zunächst mit seinen arabischen Freunden über den GCC-Vorschlag sprechen. Der Golfkooperationsrat hatte vorgeschlagen, ein multinationales Konsortium zu schaffen, das iranischen Kraftwerken angereichertes Uran liefern könnte.
Es handelt sich mit nichten um eine "neue Idee". Im Gegenteil: seit Jahren redet man im Iran darüber, dass man sich auch damit zufrieden geben würde, das Uranium von Anderen produzieren zu lassen. Das letzte Mal sollten die Russen die Drecksarbeit übernehmen, nun schlagen die Mullahs die Schweiz als willigen Helfer vor. Die Hauptsache, der Ball bleibt am Rollen.

Es liegt nicht im Interesse der Vereinigten Staaten oder von Israel, lange mit dem Iran zu verhandeln, ob die Mullahs ein Recht auf Atombomben haben. Dennoch gelingt es dem Iran, die Tatsachen zu verdrehen und so zu tun, als seien es die USA, die unbedingt im Gespräch bleiben wollen:
Die iranische Führung hat in weitere Gespräche mit den USA über den Irak eingewilligt. Wie der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki sagte, habe Washington offiziell um eine Fortsetzung der Gespräche ersucht. Den Wunsch hätten die USA über die Botschaft der Schweiz übermittelt, die im Iran die diplomatischen Interessen der USA wahrnimmt. Teheran habe die Bitte gewährt, demnächst werde man wieder miteinander sprechen, sagte Mottaki laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna. Zeit und Ort blieben jedoch unkonkret.
Selbstverständlich haben auch die USA ein Interesse daran, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor sie ihre Luftwaffe in den Iran schicken. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Leute, die tatsächlich darüber zu entscheiden haben, wann es notwendig wird, die iranischen Nuklearanlagen zu bombardieren, nicht daran glauben, das iranische Atomprogramm lasse sich durch Gespräche mit dem Iran beseitigen.

So lange man in den USA die Vorbereitungen dafür trifft, den Iran anzugreifen und so lange es die Möglichkeit gibt, dass Sanktionen eine Aussicht auf Erfolg haben, kann man ruhig reden. Es schadet nichts, denn einziger Zweck solcher Gespräche ist es, Zeit zu schinden. Ob man mit den Mullahs an einem Tisch sitzt ist ebenso irrelevant, wie Chavez' Behauptung, der "US-Imperialismus" sei dem Untergang geweiht. Es handelt sich um nichts anderes, als um leeres Gerede. Zentral ist es, dass die USA oder Israel dann zuschlagen, wenn es notwendig wird und dass es dann gelingt, dem iranischen Atomprogramm ein Ende zu bereiten.

2 comments:

Henry Kissinger said...

Ich denke, dass in letzter Zeit vor allem zu bemerken ist, wie die iranische Propaganda in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Die Verteidigungsreden auf den Iran nehmen zu.

Leonard Zelig said...

ICh sehe das ähnlich. Interessant ist, dass der Iran sich gleichzeitig im Irak zurückhält.