11/21/2007

Der Kampf um Europa

Michael Freund hat recht. Die Verlautbarungen über den Iran, die von US-Seite getroffen werden, hören sich windelweich an. Der US-Militärchef Michael Mullen betont beispielsweise, dass er die Option eines Militäreinsatzes gegen den Iran nicht ausschließe, fügt aber gleichzeitig hinzu, dies bedeute nicht, der Iran hätte in nächster Zeit irgendetwas zu befürchten:
In den Bemühungen um eine Beilegung des Streits um das iranische Atomprogramm falle der Diplomatie eine "sehr wichtige" Rolle zu, sagte Mullen. Für die USA seien dabei aber nicht nur die nuklearen Ambitionen des Iran ein Grund zur Sorge, sondern auch dessen "Unterstützung für die Aufständischen im Irak".
Das heißt nicht, dass die USA sich mit der Bombe anfreunden könnten. Der eher gemäßigte Ton aus den Staaten ist ein Indikator für den diplomatischen Kampf, der um europäische Unterstützung geführt wird: Washington will Rückendeckung aus Europa und von den Vereinten Nationen.

Die UN Generalversammlung hat derweil eine Resolution entworfen, die den Iran wegen starker Menschenrechtsverletzungen angreift. Die Mullahs werden dazu aufgerufen, "alle rechtlichen und realen Formen der Diskriminierung und anderer Menschenrechtsverletzungen zu beseitigen, die sich gegen Personen richten, die religiösen, ethnischen, sprachlichen oder anderen Minderheiten angehören."

In den USA ist man darum bemüht, möglichst umfassenden Druck auf den Iran aufzubauen, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Ein entscheidender Teil der Auseinandersetzungen wird im Moment auf der diplomatischen Bühne ausgetragen.

Deshalb veranstaltet Ahmadinedjad auch so viele Treffen mit seinem guten Freund Hugo Chavez. Während man in den USA versucht, um Unterstützung zu werben, arbeitet der Iran dagegen, indem er versucht die Zahl der Kollaborateure zu erhöhen. In diesem Kampf macht sich Chavez zum nützlichen Idioten, der den Mullahs dabei hilft, die Europäer einzuschüchtern.

Die Strategie dees Iran besteht darin, sich möglichst kompromisslos zu zeigen und deutlich zu machen, dass man es mit den Atomwaffen verdammt ernst meint. Ohne einen Krieg, könnt ihr uns nicht davon abbringen, die Dinger zu entwickeln, sagt Ahmadinedjad:
"The Iranian nation has until today resisted and will continue to resist ... and won't give the smallest concession against legal rules to any power at all," Ahmadinejad said drawing shouts of "nuclear energy is our right" from the crowd.
Während Ahmadinedjad die Europäer mit Kompromisslosigkeit und Härte beeindrucken möchte, versucht Chavez sie auf anderem Wege davon abzubringen mit den USA zusammenzuarbeiten. Dabei setzt er auf linke Rhetorik, in der die Vereinigten Staaten als blutsaugender Vampir dargestellt werdenund die Mullahs als friedliebendes Volk, das keiner Fliege etwas zu leide tun könnte:
"I'm sure it's just another excuse, another invention, another big lie by the imperialist government of the United States to justify any aggression against the Iranian people," Chavez told reporters at a news conference in Paris. "Europe should not, in my opinion, follow this path."
[...]
"The United States is like Count Dracula who at six o'clock in the morning has not sucked" any necks, he said.
Der Kampf um Europa wird nichts daran ändern, dass die USA und/oder Israel versuchen werden, das Atomprogramm der Mullahs dem Erdboden gleich zu machen. Das weiß man auch in Teheran. Trotzdem hat Ahmadinedjad gute Chancen, den Vereinigten Staaten das Leben schwer zu machen. Auf welche Seite man sich in Europa schlägt ist noch lange nicht ausgemacht.

1 comment:

Henry Kissinger said...

Die Frage ist ja vor allem die, weshalb ein Teil Europas mit dem Iran gemeinsame Sache macht. Ist es Angst vor den Iranern, ist es Unachtsamkeit? Ist es vielleicht so, dass es so ist, dass man unbewusst mit dem Iran zusammenarbeiten möchte, weil man mit den Idealen der mullahs gut klar kommt? Ist es der ökonomische Gewinn, den man sich verspricht?