6/10/2008

Paech: Ich bleibe ein Schmock!

Norman Paech ist beleidigt: "In den letzten Wochen wurde mir in Zeitungen und Online-Magazinen eine israelfeindliche und antisemitische Haltung unterstellt. Dagegen verwahre ich mich ausdrücklich." Der Mann fühlt sich zu Unrecht als Antisemit denunziert und sieht sich selbst gar nicht als der Israelfresser, der er nuneinmal ist. Deshalb hat er eine Rechtfertigung geschrieben, in der uns erklärt wird weshalb man es nicht so eng sehen sollte, wenn er sich für die palästinensiche Sache stark macht.

Er selbst habe zum Beispiel nie behauptet, die Palästinenser würden lediglich "Neujahrsraketen" nach Israel schießen: "Das Wort war tatsächlich bei einer Veranstaltung in Berlin gefallen, bei der ich von meiner Reise in die Westbank im vergangenen März berichtet hatte. Und schon während meines Referats hatte ich darauf hingewiesen, dass es sich um ein Zitat des früheren palästinensischen Generaldelegierten in Deutschland, Abdallah Frangi, handelte, den ich in Ramallah getroffen hatte. Frangi hatte mit dieser Vokabel seine Einschätzung des technischen Stands der von palästinensischer Seite eingesetzten Raketen illustriert." Neujahrsraketen werden angefertigt, damit sich daran erfreuen kann, dass bunte Funken am Himmel zu sehen sind und man benutzt sie, um einen feierlichen Anlass zu begehen. Dass der palästinensische Generaldelegierte den Judenmord mit einem Feuerwerk vergleichen würde, war zu erwarten. Für palästinensische Mörderbanden ist eben beides schön anzusehen: Feuerwerk und tote Juden - wo ist da der Unterschied? Aber anstatt einzusehen, dass Abdallah Frangi offenbar ein Antisemit ist, behauptet Paech ganz dreist, es habe sich um eine qualifizierte Aussage über den "technischen Stand" der Kassam-Raketen gehandelt.

"Man mag sich mit Recht über die Geschmacklosigkeit dieser Metapher erregen," erklärt Paech, "insofern sie den Tod und die Zerstörung, den diese Raketen verursachen können und verursacht haben, verschleiert." Aber es war ja nicht Paech, der diese "Metapher" benutzt hat, sondern sein guter Freund Frangi und deshalb braucht er sich auch nicht dafür zu entschuldigen, den technischen Stand der palästinensischen Raketen mit diesem direkt aus dem Leben gegriffenen Beispiel "illustriert" zu haben. Dass es sich bei den "Neujahrsraketen" um ein antisemitisches Bild handeln könnte, dass den palästinensischen Judenmord nicht nur "verschleiert", sondern nahezu verherrlicht, kommt Paech nicht in den Sinn. Stattdessen erklärt er: "Man möge sich dann allerdings auch über die palästinensischen Opfer und die zerstörten Wohnhäuser, Anbauflächen und zivilen Einrichtungen in den palästinensischen Gebieten erregen, die das israelische Militär und die israelische Regierung zu verantworten haben." Würden Paechs Freunde nicht am laufenden Band ihre "Neujahrsraketen" nach Israel schießen, dann gäbe es auch keine palästinensischen Opfer. So einfach ist das, Herr Paech.


Eine von Paechs "Neujahrsraketen" schlägt in Sderot ein

Natürlich hat Paech nur die besten Absichten: "Meine sämtlichen politischen, publizistischen wie diplomatischen Bemühungen hinsichtlich des Nahostkonflikts sind darauf ausgerichtet, Israel eine sichere, also dauerhaft friedliche Koexistenz mit seinen Nachbarn – zu denen notwendig ein eigenständiger und lebensfähiger palästinensischer Staat gehört - zu ermöglichen." Weshalb er deshalb jedoch die Feinde des jüdischen Staates hoffieren muss, möchte Paech nicht erklären. In Permanenz erzählt uns der Mann, wie sehr die Palästinenser angeblich leiden, wie schlecht es ihnen gehe und dass man sich ihrer annehmen müsse. Davon, dass die Palästinenser die Schuld daran tragen, dass Israel sich zur Wehr setzen muss, davon hört man von Paech nichts. Natürlich würde der Mann mir nun entgegenhalten, dass nicht alle Palästinenser etwas dafür können, dass ein paar schwarze Schafe Raketen nach Israel schicken, aber so einfach ist das leider nicht. Zum einen handelt es sich nicht lediglich um eine Minderheit, sondern um die Mehrheit der Bevölkerung in den palästinensischen Gebieten, die der Meinung ist, man sollte "den" Juden am Besten den Hals umdrehen. Zum anderen kommt Politik nicht aus, ohne zu pauschalisieren. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Mit Sicherheit gibt es einige Palästinenser, die nicht damit zufrieden sind, dass sie lediglich die Wahl zwischen der einen und der anderen Terrorbande haben, aber diese Palästinenser haben eben keine Chance. Anstatt sich jedoch diesen Leuten anzunehmen und sie zu verteidigen, hat Paech nichts besseres zu tun, als das Elend eben dieser Palästinenser zu zementieren, indem er die autoritären Herrschaftsstrukturen in den palästinensischen Gebieten verteidigt und bereit ist, mit genau jenen Terroristen in Verhandlung zu treten, die den Krieg gegen Israel eben nicht verurteilen, sondern ihn als harmloses Neujahrsfeuerwerk verharmlosen. Dem israelischen Staat bleibt eben nichts anderes übrig, als sich zu schützen und sich gegen die Angriffe aus Pachs geliebtem "Palästina" zu verteidigen. Vielleicht wird am deutlichsten, was ich meine, wenn ich davon spreche, dass Politik nicht auskommt, ohne zu pauschalisieren, wenn ich eine Analogie benutze, die Paech kein bisschen gefallen wird. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei dem Mann um einen alten Linken handelt, der davon überzeugt ist, man müsse das Privateigentum abschaffen und - um die linke Terminologie zu verwenden - die Produktionsmittel verstaatlichen. Ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass Paech es nicht gelten lassen würde, wenn ich ihm erzähle, dass nicht alle Kapitalisten böse sind und dass es sich bei meinem Nachbarn, der zufälliger Weise als Kredithai und Großindustrieller tätig ist, eigentlich um einen netten Kerl handelt, der seine Arbeiter nicht ausbeutet. Das ist natürlich deshalb ein dämlicher Einwand, weil er nicht pauschalisiert, sondern die Ausnahme betont und nicht die Regel. Um meinen Nachbarn davor zu retten, dass Paech ihm seine Fabriken wegnimmt, muss ich ihn mit anderen Argumenten verteidigen. Und genauso verhält es sich auch mit Paechs Behauptung, dass nicht alle Palästinenser gegen Israel seien - das mag zwar stimmen, aber es ist eben kein Einwand gegen die israelische Politik.

"Mit dieser Kritik", und da hat Paech leider Recht, "bin ich nicht alleine." Es gibt viele Leute, die genauso dumm sind, wie er: "Lesen Sie die periodischen Berichte des UN-Menschenrechtsrates von John Dugard, die ich auf meiner Website veröffentlicht habe." Eine verkackt geniale Verteidigungsrede, die Paech da geschrieben hat: Er bezieht sich auf den Judenhasser vom Dienst, das heißt auf eben jenen UN-Angestellten, der behauptet, der palästinensische Terror gegen Israel sei eine "Unvermeidlichkeit". Aber das ist noch nicht alles. Um auch wirklich auf Nummer Sicher zu gehen und zu gewährleisten, dass wirklich niemand mehr auf die Idee kommt, er könne ein Antisemit sein, erklärt er: Einige meiner besten Freunde sind Juden.
Nirgendwo stärker und engagierter als in Israel selbst erheben kritische Menschen, darunter zahlreiche Wissenschaftler, Journalisten und Schriftsteller Tag für Tag das Wort: gegen die Besetzungspolitik ihrer Regierung, gegen die massiven Verletzungen der Menschenrechte von Palästinenserinnen und Palästinensern. Mit vielen von ihnen bin ich ebenso seit Jahren politisch-freundschaftlich verbunden wie mit vielen, die auf palästinensischer Seite ihr Möglichstes tun, um den Konflikt zu deeskalieren, eine Rückkehr an den Verhandlungstisch herbeizuführen und die Umsetzung der 1993 in Oslo getroffenen Vereinbarungen wieder aufzunehmen.
Vor allem setzt sich Wolfgang Paech aber dagegen zur Wehr, dass man ihm seine guten Beziehungen zur Hamas nachsagt. Deshalb argumentiert er wie folgt:
Die historische Verantwortung der Deutschen für Israel, die Sehnsucht nach Verzeihung für etwas, das nicht verziehen werden kann, und unser Unbehagen angesichts des religiösen Fundamentalismus, der in seinen islamistischen, aber auch in seinen evangelikalen Varianten gewaltsam die Menschenrechte negiert, können beim Blick auf den Nahost-Konflikt leicht dazu führen, Analyse durch Schwarz-Weiß-Malerei zu ersetzen. Ich halte das bei aller Demut, die ich vor den Opfern der Shoah empfinde, und bei allem Verständnis für den Wunsch der Täterkinder und –enkel, sich als moralisch einwandfrei zu erweisen, doch auch für gefährlich.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das große Geld abstauben wollte und mich im Alter von 12, 13 oder 14 konfirmieren ließ. Den wöchentlichen Gang in die Kirche habe ich nur ausgehalten, weil ich die vielen Geschenke im Kopf hatte, die einen bei der Konfirmation erwarten. Im Gegensatz zum Religionsunterricht der Hamas, musste ich jedoch langweilige Bibelsprüche auswendig lernen und kann mich nicht daran erinnern, jemals mit Plastikgewehr durch die Kirche marschiert zu sein. Anders bei den palästinensischen Terroristen in Gaza, wo man bereits im Kindergarten lernt, wie man am besten Juden ermordet. Soviel zum Unterschied zwischen den Evangelikalen und der Hamas.


"Kindergottesdienst" in Gaza

An der Schwarz-Weiß-Malerei von der Paech hier schreibt, beteiligt er sich selbst nach Kräften. Schließlich gehört er zu jenen 65 Prozent der Deutschen, die sich "als moralisch einwandfrei" beweisen wollen, indem sie Israel als die größte Gefahr für den Weltfrieden ansehen. Während im Iran an Atombomben gebastelt wird, Nordkorea Nukleartests veranstaltet und in China ein Panzer nach dem anderen von den Fließbändern rollt, vertritt man hierzulande die Auffassung, Israel sei der größte Unruhestifter, den es in der Welt gäbe. Dass Paech tatsächlich der Meinung ist, mit seinem Palästina-Gefasel vom Mainstream abzuweichen, ist schon ein starkes Stück.

Aber zurück zu Paechs Argumentation: Man müsse, so erklärt er, mit allen verhandeln, denn ein Ausschluss aus der Diplomatie "bedeutet zwangsläufig, dass Gewalt bis an die letzten physischen Grenzen als einzige Option verbleibt. " Wo ist da bitteschön der Unterschied: Ob ich nun mit der Hamas verhandle oder nicht ist irrelevant, denn in beiden Fällen bleiben die Islamterroristen der Meinung, dass Israel von der Landkarte zu verschwinden habe. Aber das ist Paech egal, denn im antifaschistischen Kampf gegen die antisemitischen Mörderbanden im Nahen Osten möchte er lediglich den Ausschluss einer "Konfliktpartei" sehen.

Und deshalb bleibt für ihn alles beim alten:
Ich fordere deshalb nach wie vor den Dialog mit Hamas, wie ihn auch der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland Avi Primor, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der französische Außenminister Bernard Kouchner, jüdische Persönlichkeiten wie Prof. Alfred Grosser und Vertreter israelischer Friedensorganisationen fordern. Denn nur über den Weg der Verhandlung mit allen Parteien kann Israel den ersehnten, dauerhaften Frieden erlangen. Wer die Forderung nach Gesprächen mit Hamas als „Verbrüderung mit Terroristen“ denunziert, sieht offenbar nicht nur keinen Ansatzpunkt für eine friedliche Lösung, sondern gesteht damit seine politische Unfähigkeit ein und akzeptiert die weitere Eskalation von Gewalt und Gegengewalt im Nahen Osten.
Anders ausgedrückt: Weil es Trottel in Israel gibt, weil der ehemalige US-Präsident ebenso ein Schmock ist, wie der französische Außenminister, erkläre auch ich, Norman Paech, mich hiermit zu einem Vollidioten, der sich mit den Leuten von der Hamas zum Kaffekränzchen treffen möchte.

2 comments:

benjamin said...

Guter Artikel!
LG, Benni

Bernd Dahlenburg said...

Sehr guter Beitrag,

und sorgfältig recherchiert.

Danke und herzliche Grüße!
Bernd