6/22/2009

Mail an die Mullahs

Mangels Zeit: Klick

Orient Udo über den Iran

Von CASMI, der hiesigen Propagandazentrale der Mullahs, schreibt Thomas von der Osten-Sacken hier, habe man bisher nichts gehört. Lediglich Mohsen Massarat - der im "wissenschaftlichen" Beirat der Organisation sitzt - habe seine linken Freunde angewiesen, sich nicht zu eng an Ahmadinedschad zu halten. Dass man bei der deutschen Sektion von CASMI lieber schweigt ist verständlich. Schliesslich steht das gesamte Unternehmen auf dem Spiel. Allerdings war klar, dass ein anderes Mitglied aus dem wissenschaftlichen Beirat von CASMI nach den Wahlen sofort sein Maul aufreissen würde.

Gemeint ist Udo Steinbach, der seinen Mist am 19. Juni in Focus absonderte:
"Man wird sehen, ob noch etwas Kosmetik gemacht werden kann, aber im Prinzip wird es sich nicht wesentlich ändern“, sagte Udo Steinbach. „Der Wahlsieg von Mahmud Ahmadinedschad war beschlossene Sache“.
Das war am Freitag. Nur zwei Tage später hat sich Steinbachs Aussage in Luft aufgelöst. Aber lesen wir weiter, was der Mann zu sagen hat:
Steinbach warnte vor einer Eskalation. Die Hoffnung der Führung in Teheran sei, dass sich der Massenprotest „früher oder später verläuft“. Sollte sich diese Hoffnung nicht erfüllen, drohe eine Niederschlagung wie die der chinesischen Studentenproteste 1989 in Peking. „Wenn es doch zu einer Radikalisierung kommt, oder möglicherweise zu einer Radikalisierung infolge einer bewussten Provokation von Seiten der Sicherheitskräfte (...), dann wäre das Szenario Tiananmen“, sagte Steinbach. Für Chamenei sei das jedoch die „ultima ratio“. Denn Chamenei wolle nicht „den Eindruck einer Islamischen Republik vermitteln, die auf Bajonetten aufgebaut ist“. Vielmehr hoffe er noch, dass das Modell Iran „für den Rest der islamischen Welt attraktiv erscheint“.
Wie so oft, liegt der "Nahostexperte" falsch. Bisher ist es dem Regime nicht gelungen, die Unruhen niederzuschlagen und im Moment sieht es auch ganz danach aus, als sei die Islamische Republik dazu auch gar nicht mehr in der Lage. Das möchte Orient Udo aber nicht wahrhaben. Als Mitglied von CASMI hatte er schließlich darauf gehofft auf Staatskosten in die Islamische Republik reisen zu können. Dieser Urlaub fällt wohl vorerst ins Wasser.

Neues aus dem Iran

Mittlerweile gibt es über twitter und andere Quellen weitere Informationen über die Proteste im Iran und den gestrigen Tag.

Beim Tehran Bureau gibt es eine unvollständige Liste von iranischen Politikern und Journalisten, die seit dem 13. Juni von der Islamischen Republik festgenommen wurden. Dort wird auch berichtet, dass die verhafteten unter "starken Druck" gesetzt werden würden, die Planung der Proteste zu gestehen. Schauprozesse und erzwungene Geständnisse stehen in der Islamischen Republik auf der Tagesordnung. Besonders während der Revolution wurden angebliche Verschwörer immer wieder verhaftet, im Fernsehen vorgeführt und schließlich hingerichtet.

Beim iranischen "Nachrichten"-Sender Press-TV bekommt man die nötigen Geständnisse auch ohne Folter: Man setzt einfach ein paar Schauspieler vor die Kamera, macht deren Gesicht unkenntlich - damit die Aufnahme authentischer wirkt - und lässt sie allen möglichen Quatsch erzählen. Wer sich über die Nachrichtensendungen der Mullahs lustig machen möchte, kann sich das ganze bei youtube anschauen. In diesem Falle sollte er sich aber zuvor darüber informieren, wie seriös Press TV tatsächlich ist.

In einem tweet wird außerdem über die Situation im berüchtigten Evin-Gefängnis berichtet. Die Bedingungen seien dort fürchterlich und das Regime würde die Gefangenen foltern. Obwohl es sich - wie immer - um eine unzuverlässige Quelle handelt, dürfte allgemein bekannt sein, wie die Islamische Republik mit ihren Gegnern umgeht.

Via Andrew Sullivan gibt es ein weiteres BBC-Video von den gestrigen Protesten, das offenbar kurz nach dem gestern verlinkten Video aufgenommen wurde. Eine ganze Reihe von Videos wurden auch auf diesem Blog gesammelt.

Bei Shoreesh werden einige Details des gestrigen Tages zusammengefasst:
  • Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß auf der Shirazi-Straße in Teheran.
  • In West Teheran haben sich die Anwohner in mehreren Straßen in kleineren Gruppen versammelt. Sie haben Feuer gelegt und den Revolutionsgarden den Durchgang versperrt. In der Mollah-Sadrund Sattar-Khan-Straße bildeten sich Demonstrationszüge, die von Regimemilizen angegriffen wurden.
  • Vor der Teheraner Universität versammelten sich Studenten, die sich symbolisch in Leichentücher hüllten. Sie wurden brutal auseinandergetrieben.
  • An weiteren Orten bildeten sich große Menschenmengen, um gegen das Regime zu demonstrieren.
  • 200 Angehörige von Verhafteten haben sich vor dem "Informationsministerium" versammelt und verlangt ihre Angehörigen freizulassen.
  • Mehr als 4.000 Studenten und Jugendliche gingen in der Stadt Shirazi auf die Straße. Es waren Schüsse zu hören und Tränengaswolken zu sehen.
  • In der Stadt Mashhad wurde eine Demonstration von Polizisten mit Wasserwerfern und Knüppeln angegriffen.
  • In der Stadt Shiraz haben sich "tausende" in mehreren Teilen der Stadt Versammelt. In Gruppen von etwa 200 Personen lieferten sie sich über die gesammte Stadt verteilt Gefechte mit den "Sicherheitskräften", die in die Menge schossen.
Auch die in Leichentücher gehüllten Studenten kennt man aus der Islamischen Revolution. Damals sollte damit die Bereitschaft zum Märtyrertum ausgedrückt werden.

Immer mehr hört man nun auch, dass sich die Bevölkerung auf einen Streik vorbereitet, um die Islamische Republik in die Knie zu zwingen. Angeblich soll es heute morgen bereits zu ersten Zusammenstößen zwischen Bassidj-Milizen und Demonstranten gekommen sein. Außerdem wird behauptet, dass erste Verhaftungen in der Armee stattgefunden haben sollen. Das sind bisher aber lediglich Gerüchte.

Eine ausführliche Timeline der Proteste findet sich hier.

6/21/2009

Sonntag: Die Proteste im Iran gehen weiter

Das erste Video von den heutigen Protesten findet sich bei Shooresh. Es wurde auf Teherans Forsat Shirazi Straße aufgenommen. Die Leute im Iran lassen sich nicht einschüchtern. Trotz der gestrigen Angriffe von Bassidj-Milizen, den Revolutionsgarden und der Polizei, hat sich angeblich ein riesiger Demonstrationszug gebildet:



video
Da wird es dem Regime auch nicht helfen, das Kriegsrecht zu verhängen.

Die Armee ist nebenbei noch nicht in Teheran. Aus einer bisher zuverlässigen Quelle ist zu erfahren, dass es sich um Fehlinformationen handelt, die von der iranischen Regierung in die Welt gesetzt wurden. Twitter wird offenbar immer unzuverlässiger.

Außerdem höre ich die ersten Meldungen, dass tatsächlich ein Streik geplant sein soll. Gestern wurde soetwas immer wieder angedeutet, aber ohne konkrete Pläne. Nun ist angeblich in den kurdischen Gebieten für Dienstag ein Streik angesetzt.

Bei Free Iran Now wird gebeten, beim Roten Kreuz anzurufen und um Hilfe für die verwundeten Demonstranten in Teheran zu bitten.

Updates:
Über Twitter kommt die Meldung, dass die Proteste in Teheran fortgesetzt werden. Es heißt dort: "People gathering in Vali-Asr, Enqelab and Baharaestan. Others in front of UN office."

Mittlerweile gibt es einen CNN-Artikel über "Neda". Im Internet ist das youtube Video vom Tod einer jungen Frau - die seit gestern Abend einfach nur Neda genannt wird - zum Sinnbild der Brutalität des islamischen Regimes geworden. Weder wollte ich dieses Video gestern posten, noch halte ich viel davon, Leute zu Märtyrern zu stilisieren. Dennoch möchte ich die Geschichte nicht verschweigen und wer sich das Video ansehen möchte, kann sich ja bei youtube auf die Suche begeben.

Angeblich verlaufen die Proteste bisher friedlich. Tausende Polizisten sollen die Strassen bewachen, aber die Demonstrationen sind noch nicht angegriffen worden. Vor dem UN-Gebäude protestieren offenbar 1.000 Personen. Auch Hubschrauber sollen wieder unterwegs sein.

Hier zwei weitere Videos von der heutigen Demonstration.





Die Parole, die heute offenbar am liebsten gerufen wird, lautet: "Habt' keine Angst! habt' keine Angst! Wir sind alle zusammen!" Auch "Tod dem Diktator!" soll man immer wieder hören. Das Gott-ist-Groß-Geschreie hat wohl abgenommen, ist aber immer noch vorhanden.

Nun liest man das erste Mal von Zusammenstößen. Offenbar hat das Mullah-Regime zum Angriff auf die Demonstranten geblasen. Allerdings sind diese Nachrichten noch nicht bestätigt worden und nur in einer - allerdings sehr gut informierten - Quelle zu lesen.

Ich habe den Eindruck, dass die Informationen heute insgesamt spärlicher sind als gestern. Die youtube-Videos sind meist von gestern und was heute passiert ist relativ unklar. Aus Teheran habe ich die Nachricht gelesen, dass Gewehrschüsse zu hören seien. Außerdem soll es auch Proteste in anderen Städten geben, unter anderem in Kermanshah, Sanandaj, Marivan und Saqz. Eine twitter-Meldung spricht von etwa 10.000 Personen in der Gisha-Straße.

Die Islamische Republik hetzt derweil gegen die Religionsgemeinschaft der Bahai. Solche Kampagnen waren schon vor der Revolution von 1979 eine Lieblingsbeschäftigung der iranischen Islamisten. Die Bahai sind eine Abspaltung vom Schiitismus und werden deshalb besonders gerne als Verräter bezeichnet. Eine der wichtigsten Organisationen der Islamischen Revolution war die Hojjatiyeh, ein Zirkel von Religionsschülern und religiösen Gelehrten. Diese Gruppe beschäftigte sich anfangs vor allem damit, die Bahai zu missionieren, Namenslisten anzufertigen und gegen die Reigionsgemeinschaft zu hetzen. Der Schah hat sich an solchen Kampagnen immer dann beteiligt, wenn er die Hilfe der Islamisten in Anspruch nehmen musste und so kam es auch unter seiner Herrschaft zu einer staatlich unterstützten Verfolgungsklampagne, die von einer regelrechten Pogromwelle begleitet wurde. In der Revolution wurden Mitglieder der Bahai gerne als Feinde des Regimes "enttarnt" und hatten am meisten unter dem neuen Regime zu leiden. Seit nunmehr 30 Jahren wird immer konstant die Bahai gehetzt und es ist kein Wunder, dass den Mullahs auch jetzt nichts besseres einfällt, als ihr eigenes Versagen anderen in die Schuhe zu schieben.

Andrew Sullivan hat die meiner Meinung nach beeindruckendste Aufnahme von den Protesten im Iran auf seiner Seite verlinkt. Leider ist mir unklar, an welchem Tag es aufgenommen wurde, es scheint aber vom heutigen Tag stammen. Das Video gibt es bei BBC Farsi.

Gerade kommt ein tweet, der die Demonstranten auffordert zusammenzubleiben, weil Bassidj in den Seitenstraßen kleinere Gruppen und Einzelpersonen angreifen würden.

Hier ein neues Video von den Protesten in Teheran. Die Demonstranten setzen ein Regierungsgebäude in Brand:



Heute Nacht wurde nicht mehr Allah-i-Akhbar von den Dächern gerufen, sondern "Tod dem Diktator!" Ist dies ein Anzeichen dafür, dass die Proteste säkularer werden?

Mittlerweile habe ich weitere Meldungen gelesen, dass es heute zu heftigen Zusammenstößen in Teheran kam. Es ist auch von Bassidj-Heckenschützen und Schüssen die Rede. Allerdings lässt sich das nicht bestätigen. Es gibt auch Berichte, die das Gegenteil behaupten. Wegen Festnahmen und massiver Polizeipräsenz sei es heute verhältnismäßig ruhig gewesen. Obwohl die Videos von heute offenbar die erste Version bestätigen, lässt sich nicht wirklich nachweisen, dass sie auch tatsächlich heute gefilmt wurden.

Für mich ist der Tag vorbei.

Die letzte Nacht

Letzte Nacht gab es twitter zufolge einige Überfälle von Bassidj-Milizen auf Wohnungen von Demonstranten. Offenbar wurden die Türen vorher mit einem Zeichen markiert. Bei CNN wurde ein Video von einem solchen Überfall gezeigt:



Außerdem wurde gestern vermehrt über Hubschrauber berichtet, die kochendes Wasser oder Chemikalien aus der Luft über den Demonstranten abwerfen. Bei youtube ist nun ein Video aufgetaucht, dass einen solchen Angriff angeblich dokumentiert:



Bei twitter gibt es darüber hinaus widersprüchliche Aussagen über Panzer, die in Teheran eingerollt sind. Nachdem Polizei und Bassidj-Milizen gestern offenbar eine Niederlage einstecken mussten, an mehreren Orten zurückgedrängt und von ihren Motorrädern gezogen wurden und die Masse der Demonstranten nicht unter Kontrolle bekommen haben ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Regierung nun eine härtere Gangart einlegt. Wie es aussieht, wenn eine Bassidj-Station in Ostteheran in Flammen steht, ist auf dem nächsten Video zu sehen, das gestern Nacht aufgenommen wurde:



Auch die westlichen Botschaften, hört man nun, seien nicht sicher. Weder würden sie Verwundete aufnehmen, noch sollte man sich dort hinbegeben, weil Bassidj-Milizen den Weg blockieren würden.

In der Presse wird außerdem darüber spekuliert, dass Ayatollah Rafsandschani eine Rolle in den Protesten spielen könnte. Der Mann war ein Khomeini-Vertrauter, der 1979 Mitglied im Revolutionsrat war. Dann wurde er Sprecher des islamistischen Pseudoparlaments und schaffte es schließlich zum Präsidenten der Islamischen Republik. Auch das ist mit Sicherheit niemand, der für einen Umsturz im Iran steht. Allerdings könnten die obersten Ränge des iranischen Regimes tatsächlich gespalten sein.

Ich werde vermutlich heute unterwegs sein und werde hier lediglich zwischendurch kleine Updates posten können.

Bei Boing Boing gibt es einen "Cyberwar guide for Iran elections".

Kurzes Iran-Update

Hier noch ein kurzes Update aus dem Iran. Zuvor noch einmal der Hinweis, dass diese Nachrichten aus twitter kommen, einer Quelle, die mit Vorsicht zu behandeln ist:

Es wird berichtet, dass ein Panzer am Azadi-Platz gesehen wurde. Das einer der wenigen Hinweise auf den Einsatz der Armee, der mir bisher unter gekommen ist. An anderer Stelle bezeichnet jemand die Polizisten als "Soldaten", die MP5-Gewehre hatten und von Militärfahzeugen unterstützt wurden. Außerdem beschreiben mehrere Leute, dass die Bassidj-Milizen Türen markieren, vermutlich weil sie in der Nacht überfälle organisieren wollen. Es wird auch berichtet, dass Leute davon abgehalten werden, in den Botschaften Zuflucht zu suchen. Nun wird auch immer häufiger davon berichtet, dass wild in die Menge geschossen wurde. Auf den Strassen, so heisst es, liegen viele Tote, vor allem Frauen und Kinder.

Weshalb Mussavi niemand ist, auf den man Hoffen könnte, kann man in seiner jüngsten Erklärung nachlesen. Dort sagt er ganz explizit, dass er nichts gegen das repressive Regime im Iran hat. Eigentlich, so sagt er, gehe ihm lediglich darum zu den wahren islamischen Grundsätzen zurückzukehren. Irgendwo habe ich soetwas schoneinmal gehört...

Hier ein Video vom Azadi Platz:



Und zwei weitere Videos aus den Strassen von Teheran:




Nun kommt eine weitere Meldung, derzufolge die Bassidj-Station in Navab am brennen ist. Die Nacht ist mit Sicherheit nicht vorbei.

"it looks some people are still out there," heißt es in einer Nachricht aus Teheran bei twitter, "I can hear a chopper passing by."

Und auch in den nächsten Tagen werden die Proteste im Iran weitergehen. Wenn diese Demonstrationen tatsächlich das Ende des Regimes bringen sollen, dann werden in den nächsten Monaten viele Tage ähnlich aussehen wie dieser.

Hier eine Bitte aus dem Iran an twitter user:
"If anyone is on twitter, set your location to Tehran and your time zone to GMT +3.30. Security forces are hunting for bloggers using location/timezone searches. The more people at this location, the more of a logjam it creates for forces trying to shut Iranians' access to the internet down."

6/20/2009

Shame on Kanada and Spain!

Über Twitter kommt eine Meldung, dass die kanadische Botschaft verwundeten Demonstranten in Teheran den Zutritt verweigert. Gleichzeitig wird vermutet, dass die dortigen Krankenhäuser nicht sicher sind, weil Bassidj-Milizen und Polizei die Demonstranten abfangen. Die Kanadier sind über E-Mail zu erreichen und das mindeste was man tun kann, ist eine Protestmail losschicken:

Die Adresse der Botschaft in Teheran:
Teran@international.gc.ca

Die kanadische Botschaft in Deutschland gibt eine Adresse für Notfälle an:
sos@international.gc.ca

Auch die spanische Botschaft akzeptiert keine Verwundeten. Hatemails bitte an:
embespir@mail.mae.es


Die deutsche Botschaft möchte sich nicht darüber äußern, ob die Botschaft für Verwundete geöffnet wird. Man denke, so heißt es in den Kommentaren beim Wadi-Blog, darüber nach. Das Auswärtige Amt in Berlin erreicht man unter der Nummer:

+49 (0) 30 18-17-0

Mehr zur deutschen Botschaft beim Wadi-Blog.

Reportedly accepting injured: Klick

Und nun kommt eine ganz bizarre Meldung aus dem Iran. Einige der in dem Link genannten Botschaften nehmen doch keine Leute auf. Das gilt zum Beispiel für die Engländer, die laut CNN niemanden Zuflucht gewähren. Und nach der Erklärungen aus dem Auswärtigen Amt, man würde darüber nachdenken Verwundete aufzunehmen, kann man davon ausgehen, dass auch die Deutschen die Demonstranten vor ihrer Haustür verrecken lassen. Genau weiß man es allerdings nicht. Es herrscht doch sehr viel Unklarheit darüber, was im Iran genau passiert. Wie dem auch sei. Ein Anruf im AA kann auf keinem Fall schaden.

Update:
Nun kommt Antwort von der kanadischen Botschaft:

"Hello,

In response to your concerns regarding the situation in Iran, we would like to share the following with you:

Reports on Saturday that the Canadian Embassy in Iran was turning away people seeking sanctuary are false. The Embassy was closed Saturday and there were no Canadians at the Embassy when the protests began.

We have been advised by other Embassies in Tehran that they did not provide shelter to injured Iranians, as has been alleged.

Embassy staff has made every attempt to ensure services, particularly consular, remain unaffected by the situation. Foreign Affairs and International Trade Canada, including the Canadian Embassy in Tehran, continues to provide consular assistance to Canadian citizens in-person, on the phone and through email.


In case of emergency consular assistance regarding Canadian citizens in
Iran, please contact the Embassy of Canada in Tehran at +98 (21) 8152-0000 or the Foreign Affairs and International Trade Canada’s Emergency Operations Centre by calling collect to 613-996-8885 or by sending an email to sos@international.gc.ca.


Regards,


Operations Officer/Agent des opérations (CEC)

Emergency Services Division/Direction des services d’urgence

Foreign Affairs and International Trade Canada /
Affaires étrangères et du Commerce international Canada

sos@international.gc.ca"


Berichte und erste Einschätzungen der heutigen Proteste im Iran

Im Iran finden nun seit etwas mehr als vier Stunden Proteste statt. Die zentrale Demonstration am Enghelab Platz sollte um 16 Uhr stattfinden.

Nachdem Khamenei die Demonstrationen verboten und jeden Widerstand als einen Angriff auf die Islamische Republik gebrandmarkt hat, war von vornherein klar, was heute zu erwarten sein würde. Der religiöse Staat wird versuchen die Proteste gewaltsam zu unterdrücken.

Über Twitter und andere Seiten, die lediglich unzuverlässige Informationen geben, lässt sich Folgendes erfahren:

Die Polizei und Bassidj-Milizen versperren den Zugang zu den wichtigsten Plätzen der Stadt.

Etwa um halb 16:30 Uhr kommt zu den ersten Zusammenstößen. Polizei und Bassidj-Milizen greifen Demonstranten an, die sich auf der Azadi-Strasse (die auf den Enghelab-Platz führt) versammelt haben. Tränengas und Wasserwerfer kommen zum Einsatz, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Es kommt zu ersten Festnahmen.

Die Proteste verteilen sich auf mehrere Orte, an denen es zu Straßenschlachten kommt. Die Polizei schlägt willkürlich auf Passanten und Demonstranten ein. Es wird in die Luft geschossen.

Die Demonstranten rufen "Tod Khamenei!" und werfen Steine.

Gegen 18:00 Uhr kommt es angeblich zu einer Explosion am Khomeini-Mausoleum. Einige Leute behaupten, es handele sich um einen Anschlag der Regierung um die Demonstrationen zu delegetimieren. Man liest auch, es handele sich um einen Selbstmordattentat, der von den Mudschahedin Khalq verübt worden sei. An anderer Stelle wird nahegelegt, dass es sich lediglich um ein Gerücht handeln würde, dass von den staatlichen Medien im Iran in Umlauf gebracht wurde. Es scheint sich hier um wilde Spekulationen zu handeln und niemand weiß genau was passiert ist.

An der Universität in Teheran sollen sich ebenfalls 2.000-3.000 Leute versammelt haben. Angeblich werden sie von Polizei und Bassidj daran gehindert, den Campus zu verlassen.

Die Berichte von Schüssen mehren sich. Die Proteste scheinen sich in Teheran zu verteilen und an mehreren Orten kommt es zu Straßenkämpfen. Es ist von verletzten Bassidj-Milizen die Rede. Immer wieder hört man von Zusammenstößen und Schägereien. Autos werden angezündet. Man hört von ersten Toten und von den ersten Schüssen auf Demonstranten.

Über Twitter wird berichtet, dass vermehrt Personen wegen Handys festgenommen wurden. Das Regime möchte verhindern, dass Informationen nach außen dringen. Außerdem ist davon die Rede, dass Helikopter kochendes Wasser auf die Demonstranten schütten. Berichte über soche Angriffe aus der Luft mehren sich. In einigen Nachrichten wird behauptet, es handle sich nicht um Wasser, sondern um eine Chemikalie.

Die Berichte werden von nun an heftiger. Es wird immer mehr von Verletzten und Toten gesprochen. Die Demonstranten schützen sich mit dem Koran, den sie schützend vor sich halten.

Angeblich hält Mussavi mittlerweile eine Rede in der Jeyhoon-Straße. Er soll erklärt haben: "I am ready to die!"

Im Iran ist es nun 20:20 Uhr. Die Proteste werden fortgesetzt.

Hier wird zwischendurch geupdatet.

Zuvor allerdings eine kurze Einschätzung:

Es scheint so, als seien weniger Leute auf der Straße als in den letzten Tagen. Man hört zum Beispiel von Menschenmengen von 3.000-4.000 Personen, allerdings scheinen sich die Aktivitäten auf mehrere Regionen zu verlagern. Das Regime möchte offenbar verhindern, dass sich eine große Demonstration bilden kann. Der Eindruck, dass es sich um weniger Demonstranten handelt, kann also auch täuschen.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Teheran etwa 8 Millionen Einwohner hat, wenn man die Vororte dazu nimmt sogar fast 15 Millionen. Selbst wenn man also annehmen würde, dass heute 15.000 Personen auf die Straße gegangen sind, dann würde es sich lediglich um 0,2% der Bevölkerung handeln.

Die heutigen Demonstrationen erinnern sehr an die Ereignisse vom sogenannten "schwarzen Freitag" im September 1978. Damals hat der Schah sämtliche Demonstrationen verboten und lediglich der harte Kern der religiösen Opposition (etwa 5.000 Personen) versammelte sich auf dem Zaleh Platz in Teheran. Das Militär schoss damals in die Menge und tötete etwa 100 Demonstranten. Dieses Ereignis beendete die Proteste gegen den Schah nicht, sondern trug dazu bei sie zu intensivieren.

Vor diesem Hintergrund können die heutigen Proteste schon jetzt als ein Erfolg gefeiert werden. Offenbar sind mehr Leute auf die Straße gegangen, als damals und die Kämpfe sind entschieden heftiger. Gemessen an dem, was in den letzten Tagen auf den Strassen von Teheran los war, kann jedoch auch davon ausgegangen werden, dass ein Großer Teil der Opposition zuhause geblieben ist um abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Hier noch einige Videos von den heutigen Protesten:









Update:
Nun lese ich, dass europäische Botschaften verwundeten Demonstranten Hilfe anbieten. "The hospitals" heißt es auf einem Beitrag bei Twitter "are a trap".

Es ist von weiteren Protesten in Tabriz, Isfahan, Rasht, Mashhad, Shiraz und Ahwaz zu hören.

Eine Quelle behauptet, es habe sich nun ein Demonstrationszug geformt, an dem sich auch Mussavi beteiligt. Dies ist von anderer Seite noch nicht bestätigt worden.

Man hört den Ruf "Mir Hossein, Ya Hossein", der auch schon in den letzten Tagen zu vernehmen war. Diese Parole vergleicht Mussavi mit dem dritten Imam Hossein, der im Kampf gegen die Truppen des Kalifen Yazid bei der Schlacht in Karbala gefallen ist. Seitdem wird er von den Schiiten als Märtyrer verehrt und an seinem Tod wird am Aschura-Fest im Monat Muharram erinnert. Für die Revolution von 1979 war der Mythos von Hossein ungemein wichtig. Beinahe alle revolutionären Ereignisse wurden als Widerholung der Schlacht von Karbala inszeniert. Einer der wichtigsten Slogans der Revolution war "Jeder Tag ist Aschura!" Der Vergleich mit Hossein stellt Mussavi als einen Führer dar, der die Schiiten den Weg zum Märtyrertum zeige, als eine Autorität, der man absoluten Gehorsam entgegenzubringen habe.

Mussavi hat dazu aufgerufen, die Proteste fortzusetzen und einen Streik zu beginnen, sollte er den Tag nicht überleben.

An mehreren Orten in Teheran werden nun Zusammenstöße gemeldet. Bei Shoreesh liest man, dass ein Bus am Tauhid Platz angegriffen wurde, eine Moschee an der Aserbaidschan-Straße in Flammen steht. Außerdem soll es Gefechte zwischen Demonstranten und Bassidjis bei der Gisha-Straße geben. In Ostteheren blockieren die Demonstranten eine Straße und legen Feuer. Obwohl die Proteste schon seit Stunden anhalten, sieht es so aus als würden sie sich intensivieren.

Nun gibt es auch Videoaufnahmen vom Demonstrationszug. Bei Free Iran Now werden diese Bilder kommentiert: "Nein das sind nicht nur ein paar tausend Leute, wie es vorhin noch in den Tickern hieß!"



Der NIAC-Blog hat die Parolen in einem der Videos übersetzt. Die Massen brüllen: "I welcome death, I welcome death! But not subjugation, but not subjugation!" Das kommt dem Märtyrermist den die Islamisten 1979 geschrien haben verdammt nahe. Wenn man den Spruch wohlwollend liest, könnte man daraus jedoch auch die Forderung nach einem besseren Leben machen und ihn wie den Ausspruch von Dolores Ibárruri lesen: "Lieber stehend sterben, als kniend leben!" Da es im spanischen Bürgerkrieg ebenfalls darum ging den Vormarsch der Faschisten abzuwehren ist dieser Vergleich durchaus angebracht.

Es tauchen Berichte von angezündeten Motorrädern der Bassidj-Milizen auf. Die Demonstranten haben sie von ihren Fahrzeugen gerissen.

Laut Twitter erklingt in ganz Teheran der Schrei "Allah-i-Akhbar" von den Dächern. Auch diese Form des Protestes erinnert an die Revolution von 1979 als die Massen sich wegen einer Ausgangssperre auf den Dächern ihrer Häuser versammelten und auf diesem Weg gegen die Militärregierung des Schahs zu protestieren. Mir wollen diese Parallelen gar nicht gefallen.

Nun kommen weitere Meldungen von Regimetruppen, die in die Flucht geschlagen wurden. Dieses Mal in der Gisha Straße im Norden Teherans.

Über Twitter kommt eine Meldung, dass die kanadische Botschaft verwundeten den Zutritt verweigert. Shame on Canada! Die E-Mail-Adresse der kanadischen Botschaft in Teheran findet sich hier: Teran@international.gc.ca. Außerdem gibt die kanadische Botschaft in Deutschland eine E-Mail-Adresse für Notfälle an: sos@international.gc.ca.

Es gibt mittlerweile ein Statement von Obama, in dem der Iran aufgerufen wird, "alle gewalttätigen und ungerechten Handlungen gegen seine eigenen Bürger" einzustellen.

Die letzten Meldungen von twitter deuten an, dass sich die Situation zuspitzt. Angeblich haben Bassidj-Milizen ein Krankenhaus angegriffen, um verwundete Demonstranten gefangen zu nehmen. Aus einem anderen Krankenhaus kommt die Meldung, dass sich dort 200 Verwundete aufhalten, 30-40 Personen seien gestorben. Weitere 10 Demonstranten sollen von Einheiten der Bassidj erschossen worden sein. Außerdem wird behauptet, dass eine Einheit von mehr als 500 Bassidj-Kämpfern bewaffnet wurde und nun in Teheran bereit steht.

Nun häufen sich Nachrichten, aus denen hervorgeht, dass Journalisten systematisch verhaftet werden. Schon vorher gab es vereinzelt solche Meldungen.

Für mich ist der Tag vorbei.


Die nützlichsten Quellen:
Fotos gibt es hier. Hervorragend sind die Live-Blogs von Andrew Sullivan und Shoreesh. Auch bei der Huffington Post und der NY-Times lohnt es sich vorbeizuschauen.

Nieder mit der Islamischen Republik!

Die Situation im Iran erinnert an die Islamische Revolution. Anders als heute, wusste man damals sehr genau, wer Ende 1977 auf die Strasse ging. Das waren liberale Reformer, die ein demokratisches Iran forderten. Erst Anfang des Jahres 1978, als der Schah anfing die Proteste zu unterdrücken, kamen die Mullahs aus ihren Moscheen gekrochen und gaben der ganzen Bewegung einen religiösen Anstrich. Mit einem Mal wurden die Proteste gegen den Schah islamisch. Zunächst drückte sich das in den Inhalten aus, die auf den Demonstrationen vermittelt wurden. Anstelle der Forderung nach Mitbestimmung und ein Ende der Repression trat die Parole "Tod dem Schah!" Der gemeinsame Feind wurde zunehmend antisemitisch dämonisiert und die Forderungen der Revolutionäre wurden immer ausländerfeindlicher, homophober und antiamerikanischer. Nun wusste man nicht mehr, wer im Iran auf die Straße ging. Über der gesamten Bewegung lag ein Nebel. Obwohl bekannt war, dass es alle möglichen Gegner des Schahs gab, verschwanden sie hinter den religiösen Inhalten. Die Opposition hielt es für notwendig Einheit zu demonstrieren und ihr säkularer Teil bemerkte viel zu spät, dass systematisch gegen unverschleierte Frauen, Ausländer und sogenannte Zionisten gehetzt wurde.

Damals befand sich der Iran in einer Situation, von der niemand wusste wie sie ausgehen würde. Es war möglich, dass der Schah das Militär zum Einsatz bringen würde, um die Proteste damit im Keim zu ersticken. Ebenso gab es die Aussicht auf einen demokratischen Iran, der von den liberalen Reformern geführt werden würde, die sich freie Wahlen und ein Ende der Repression wünschten. Dass sich Khomeini durchsetzen würde, war damals für die wenigsten zu erkennen. Im Westen war der Ayatollah viel zu unbekannt, als dass man sich für seine Schriften interessiert hätte. Anstatt nachzulesen, was der neue Führer der Revolution in seinen Büchern und Ansprachen von sich gegeben hatte - und was seine Anhänger im Iran täglich wiederholten - begnügte man sich mit den Interviews, die Chomeini vor einem westlichen Publikum in seinem pariser Exil gehalten hatte. Im Iran glaubte man an die Einheit der Opposition und vergass, dass man mit religiösen Fanatikern gemeinsame Sache machte.

Heute liegt ebenfalls ein Schleier über den Protesten gegen die Wahlen. Niemand kann sagen, was in den nächsten Tagen im Iran passieren wird. Es ist möglich, dass die Islamische Republik den Widerstand gewaltsam unterdrückt und ein Blutbad veranstaltet. Ebenso wäre es denkbar, dass die Anhänger von Mussavi sich durchsetzen, der die Islamische Republik zwar erhalten, aber reformieren würde. In diesem Falle würde der Staat weiterhin nach der Atombombe streben, den Westen verachten und gegen Israel hetzen, aber eben unter dem Label "moderat".

Wer es ist, der da in Teheran auf die Straße geht, ist ebenfalls unbekannt. Man weiß, dass die Anhänger Mussavis unter den Menschen sind, die da so Mutig gegen die islamische Diktatur protestieren, man weiß von linken Regimegegnern, von Demokraten und Nationalisten und man kann sich sicher sein, dass auch Leute darunter sind, die vollkommen unpolitisch sind, aber einfach die Schnauze voll haben vom Tugendterror der Islamisten. Im Internet kann man hören, wie auf den Demonstationen "Allah-i-Akhbar" in die Nacht geschrien wird, wie - in einer Abwandlung der alten Parole "Tod dem Schah!" - der Kampfruf "Tod der Diktatur!" erschallt und wie einige Leute fordern: "Nieder mit den Taliban, in Kabul und in Teheran!" Im Moment herrscht Unklarheit und das einzige was wir wahrnehmen können sind die Massen, die dort auf die Straße gehen.

Das Regime von Ahmadinedschad und Khamenei befindet sich in einer Krise und das ist auf jedem Fall zu begrüßen, egal wer im Iran auf die Straße geht. Alles, was die islamistische Theokratie schwächt ist gut. Allerdings sollte man nicht so tun, als sei es vollkommen unproblematisch, wenn im Iran religiöser Schwachsinn in die Nacht geschrieen wird. Dass solche Parolen harmlos seien, haben die säkularen Gegner des Schahs 1979 auch gedacht und mussten diesen Fehler schließlich bitter bezahlen.

Im Moment befindet sich die Bewegung gegen Ahmadinedjad in einem Stadium, in dem man ihr solche Parolen gerne als Jugendsünden abtut. Es geht schließlich darum, die Diktatur zu stürzen. Bis die Terrortruppen des Regimes besiegt wurden, wird sich der Nebel im Iran nicht lichten, denn bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle Gegner des Regimes an einem Strang ziehen. Erst wenn es so weit gekommen ist, wird sich zeigen, welchen Charakter diese Bewegung tatsächlich hat und ob es ihr gelingen wird, die Theokratie durch etwas besseres zu ersetzen.

Anders als die Demonstranten im Iran müssen diejenigen, die diesen Protest von außen unterstützen deutlich machen, dass sie nichts mit der Islamischen Republik zu tun haben wollen. Obwohl es gilt, sich mit dem Widerstand im Iran solidarisch zu zeigen, ist es notwendig, diese Solidarität von Anfang an an Bedingungen zu knüpfen. Die Wahlen der Islamischen Republik dürfen nicht anerkannt werden und müssen unter demokratischen Bedingungen wiederholt werden, ohne dass ein Wächterrat darüber entscheidet wer kandidieren darf. Die politischen Gefangenen müssen aus den Gefängnissen entlassen werden und der Repressionsapparat des Regimes muss zerschlagen werden. Mit einem Typen wie Mussavi ist ebenso wenig ein demokratischer Iran zu machen, wie mit einem Khamenei oder einem Ahmadinedschad. Die Proteste müssen genau den umgekehrten Weg einschlagen wie die Revolution von 1979. Wenn sie schon mit diesem fürchterlichen Allah-i-Akhbar-Geschrei beginnen, sollen sie wenigstens mit einem säkularen, demokratischen und liberalen Iran aufhören.

Mehr gibt es hier, hier, hier und hier.

5/11/2009

USA-Rassisten in Marburg und Gießen

Wie sehen "Hitlers Lehrer" aus? Die Marburger Provinzpostille "Express" gibt eine Antwort. Es handelt sich um "USA-Rassisten", also Männer mit Glatzen, die sich von herkömmlichen Nazis dadurch zu unterscheiden wissen, dass sie irgendwie modern und schick aussehen. Sie tragen Brillen und singen ekstatisch in Mikrofone. Das legt auf jedem Fall das Titelbild der aktuellen Ausgabe nahe:


Tatsächlich haben wir es hier mit einem freudschen Fehltritt zu tun. Die Jungs auf dem Cover, die man zunächst für die USA-Rassisten hält, sind eigentlich eine A Capella Band und die Überschrift bezieht sich auf ein Interview mit Hermann Ploppa.

Ploppa? Wer ist das eigentlich?

Allein das Bild von dem Mann finde ich genial. Wenn ich einen Preis für selbstgerechte Blicke vergeben könnte, Ploppa würde ihn bekommen.

Ploppa ist weit herumgekommen in der Welt. Er schrieb für ein "Magazin", das in zwei Städten erscheint und hat "Radio Unerhört Marburg" mitgegründet. Außerdem veröffentlicht er in überregionalen Zeitungen. Dazu gehören zum Beispiel die Marxistischen Blätter. Auch in Freitag, Jungle World der Jungen Welt konnte er Artikel unterbringen. Ganz schlecht geschriebene verschwörungstheoretische Pamphlete finden sich außerdem auf Internetseiten, die es erlauben gratis Texte ins Netz zu stellen.

Obwohl man sich auch ohne weitere Lektüre vorstellen kann, was es mit den USA-Rassisten auf sich hat, hier meine Lieblingszitate aus dem kurzen Interview:

"Anhand von Textvergleichen weise ich nach, dass Hitler sein nationales Rassenaufartungsprogramm direkt aus den USA abgekupfert hat."

"Eugenik war Mainstream. Ungefähr so vorherrschend wie heutzutage der Neoliberalismus."

"Es gibt natürlich auch Leute, die meinen, ich wollte die Naziverbrechen verharmlosen. Dass ich bislang unter den Teppich gekehrte unangenehme Wahrheiten über die USA bekannt mache, soll und kann ja nicht entkräften, dass der Holocaust einzigartig ist."

"Wir können lernen, dass Antisemitismus, Eugenik oder Euthanasie Teil einer weltweiten Bemühung darstellt, die Menschen effektiver und rentabler zu machen."

LOL!

5/02/2009

Elektra bei den Taliban

Standing Ovations in der frankfurter Oper: "Bravo, bravo!" Das Publikum ist außer sich. Solch eine Begeisterung habe ich dort selten erlebt.

Um solch einen Effekt zu erzielen war es notwendig, die Geschichte von Elektra neu zu erzählen. Da die Rahmenhandlung nicht jedem bekannt sein dürfte, hier eine kurze Zusammenfassung: Elektra sinnt auf Rache, weil ihr Vater, Agamemnon, von ihrer Mutter (Klytämnestra) und deren Liebhaber (Aegisth) umgebracht wurde. Nach langem hin und hergesinge kommt ihr Bruder Orest vorbei und tötet die beiden. Darüber freut sich Elektra so sehr, dass sie in Ekstase gerät und tot umfällt.

Die frankfurter Inszenierung macht schnell deutlich, worum es geht: Elektra ist eine linke. Sie sitzt im ausgeblichenen Trainingsanzug auf der Bühne und hat eine Wursthaarfrisur. Klytämnestra hingegen ist mit dicken goldenen Klunkern behangen und trägt feine rote Samtklamotten. Umgeben ist sie von lauter Militärs, die Gefangene in Guantanamo-Häftlingskleidung in Schach halten. Angeordnet sind diese Gefangenen wie man das aus den Abu Ghraib-Bildern kennt. Sie haben schwarze Stofftüten über dem Kopf und einer von ihnen steht sogar willenlos auf einem Kubus in der Gegend herum.

Schließlich folgt der Auftritt von Taliban-Orest. Er trägt eine islamische Mütze (eine Takke) und hat sich eines dieser langen Hemden angezogen (einen Shalwar Kameez). Weshalb er außerdem Fischerweste und Trainingshose trägt bleibt wohl Geheimnis der Oper Frankfurt. Vielleicht dachte man, das würde ihn militanter aussehen lassen. Osama wäre stolz auf diesen Orest. Er bringt nicht bloß seine Mutter und ihren Nazi-Lover um (der plötzlich mit Bomberjacke und Glatze auf der Bühne steht) sondern auch sämtliche Militärs.

Am Ende der Oper werden dann große schwarze Leichensäcke von den (mittlerweile blutverschmierten) Guantanamo-Leuten auf die Bühne geschleppt. Elektra kommt angelaufen und tritt noch einmal kräftig gegen die Toten. Klytämnestra und Aegisth werden an der Decke aufgehängt und alle feiern ein Fest.

Elektras Schwester, Chrysothemis frohlockt im Angesicht der vielen Leichen:
"Gut sind die Götter! Gut! Es fängt ein Leben
für dich und mich und alle Menschen an."

Und Elektra singt:
"Ich trage die Last
des Glückes, und ich tanze vor euch her.
Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins:
schweigen und tanzen!"

Kein Wunder, dass sich die johlende Menge so freut. Amis, so lautet das Fazit der Elektra-Oper in Frankfurt, muss man einfach umbringen. Möglichst brutal und martialisch, versteht sich, denn sie haben es nicht anders verdient. Die Amis sind nicht bloß Schuld am Tod von Agamemnon, sondern sind im allgemeinen fiese Militärs, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben als Abu-Ghraib-gefolter in Guantanamo zu veranstalten. Außerdem arbeiten sie mit Nazis wie Aegisth zusammen. Erst wenn alle Amerikaner gestorben sind, kann die linke Elektra sich zu Tode freuen, Taliban-Orest darf einen Tanz aufführen und die Jungs aus Guantanamo dürfen Leichen schleppen.

Und wer mir nicht glauben möchte, dass die Leute im Frankfurter Opernhaus solch einen Scheiß seit 2004 immer wieder auf die Bühne bringen, der kann sich bei youtube einen Trailer anschauen. Hätte ich den mal vorher gefunden. Dann wäre ich gar nicht erst dort hingegangen. Aber daraus habe ich gelernt: Bloß weil die Karten spottbillig sind, geht man nicht einfach mal in die Oper, ohne sich vorher über die Inszenierung zu informieren.

3/05/2009

"More Positive Developments"

Naim Kassem, Hassan Nasrallahs Handlanger, erklärte Ende des letzten Monats, die Hisbollah sei auf den Krieg gegen Israel vorbereitet. Einige Tage zuvor hatte er verlautbaren lassen, dem jüdischen Staat dürfe nicht diplomatisch, sondern lediglich auf gewaltsamen Wege entgegengetreten werden. Während den Terroristen enorme Geldsummen aus dem Iran und zugeschoben werden, nach Angaben von Yediot Aharonot insgesamt 1 Mrd. Dollar, um die libanesischen Wahlen zu gewinnen, reist Hassan Nasrallah in den Iran, vermutlich um dort weitere Instruktionen für den heiligen Krieg gegen Israel zu bekommen. Die Hisbollah rekrutiert nach Kräften arabische Israelis um Angriffe auf den jüdischen Staat vorzubereiten und von den palästinensischen Brigaden der Terroristen werden Raketen nach Israel geschossen.

Die Anzeichen, dass ein weiterer Krieg Israels gegen die irantreuen Terroristen notwendig wird, mehren sich. Gleichzeitig erklärt die englische Regierung, sie sei bereit diplomatische Beziehungen zur Hisbollah aufzunehmen.
"We have reconsidered the position ... in light of more positive developments within Lebanon," Foreign Office Minister Bill Rammell told a parliamentary committee. "For that reason we have explored establishing contacts."
Offenbar macht man sich in London den Jargon der Vereinten Nationen zu Eigen. Glücklicher Weise ist davon auszugehen, dass all die schönen Worte von Bill Rammell und den anderen Idioten, die sich nicht schämen mit Terroristen gemeinsame Sache zu machen, Israel nicht davon abhalten werden, sich gegen die Bedrohung aus dem Libanon zu verteidigen.

Anmerkung:
Eine Antwort von der Hisbollah ließ nicht lange auf sich warten:
Britain has taken a "step in the right direction" by signalling willingness to talk to Hezbollah, a spokesman for the Lebanese Shi'ite group said on Friday.
Na dann, einen kräftigen Gruß aus dem Libanon nach England:


2/28/2009

Krieg der Ideen mal anders

Antiterrorkampf in Saudi-Arabien:
Only one in ten terrorists return to the Al-Qaeda terror network after completing re-education programmes in prison, a senior Saudi Arabian official has claimed. General Mansur Bin Sultan al-Turki, spokesman for the interior ministry, discussed the rate with the Arab daily, al-Quds al-Arabi.

[...]

Saudi security officials have praised the methods used by the prisons in the country and their efforts to also force the prisoners to memorise Islam's holy book, Koran.
Man erklärt den Jungs von Al Qaeda einfach, dass sie Recht haben: Die Ungläubigen sind Schweine, der Koran ist Geil und Frauen müssen in den Schleier. Nur Suicide-Bombing in Saudi-Arabien, soetwas macht der "wahre Muslim" nicht.

Anmerkung:
Einen ganz anderen Artikel über den Erfolg das saudische Antiterrorprogramms kann man hier lesen.

2/22/2009

Einige Bemerkungen über die Iran-Politik Obamas

Bisher habe ich mich nicht über Obama geäußert. Als Nicht-US-Bürger hatte ich ohnehin keinen Einfluss auf die Wahlen und was eine Beurteilung des neuen Präsidenten angeht, ist man auf der sicheren Seite wenn man sich erst dann über seine Politik beschwert, wenn es jenseits von leerem Gerede etwas gibt worüber man sich ärgern kann. Da die unangenehmen Meldungen aus Washington zunehmen, kann ich mich nun guten Gewissens aus dem Fenster lehnen und schimpfen:

Die Vereinigten Staaten befinden sich auf dem besten Weg zur Appeasementpolitik gegenüber dem Iran. Als Mr. President der Meinung war, den Mullahs die Hand entgegenstrecken zu müssen, konnte man sich noch darauf verlassen, dass man in Teheran den Mittelfinger erheben würde. So falsch dieses Signal aus Washington auch gewesen sein mag: es war einfach davon ausgehen, dass es sich um einen Schritt handelt, der von niemandem ernst genommen wird.

Anders sieht es mit der Politik der neuen US-Administration gegenüber Syrien aus. Im Gegensatz zum Iran, wo man sich - zumindest in der Öffentlichkeit - bisher auf schöne Worte beschränkt hat, werden die Sanktionen gegen das Assad-Regime nach und nach aufgehoben. Soetwas beginnt selbstverständlich mit ganz harmlosen Schritten, wie dem Verkauf von zivilen Flugzeugen und dem Transfer von Spendengeldern für krebskranke Kinder, läuft im Endeffekt aber auf die Kollaboration mit einem Regime hinaus, das nach Kräften chemische Waffen produziert, vermutlich weil der Versuch an Atomwaffen zu gelangen vor kurzem von Israel unterbunden wurde. Dass Obama plant auch militärische mit Syrien zusammenzuarbeiten wird zumindest schon angekündigt.

Im besten Falle ist all dies ein Versuch, das Baath-Regime aus der Allianz mit dem Iran herauszulösen. Dass dies aber gelingen soll, indem man dem engsten Verbündeten der Mullahs militärische Hilfe in Aussicht stellt, ist mehr als fraglich. Viel wahrscheinlicher ist es, dass syrische Waffen früher oder später auf dem ein oder anderen Wege gegen Israel eingesetzt werden und am Ende auch gegen US-Soldaten. Dass die amerikanische Armee im Irak Al-Qaeda-Kämpfern gegenübersteht, denen die Einreise über Syrien ermöglicht wurde, ist schließlich kein Geheimnis.

Aber auch mit dem Iran ist man auf jedem Fall dann bereit zusammenzuarbeiten, wenn die Kooperation im Rahmen der UN stattfindet. Die zweite UN-Antirassismuskonferenz in Durban, die zu einer noch schlimmeren antisemitischen Hassveranstaltung zu werden droht als ihr Vorgänger, wird unter Beteiligung der USA vorbereitet. Dass die Ausrichtung der mittlerweile unter iranischer Führung veranstalteten Konferenz durch die amerikanische Mitarbeit verändert werden könnte ist zweifelhaft. Im Gegenteil: die US-Beteiligung verleiht dieser Veranstaltung nur noch größere Legitimität als sie es ohnehin bereits besitzt. Beängstigend ist es allemal, dass die Obama-Administration nichts dagegen hat, mit einem Haufen von Antisemiten über die folgenden Punkte zu diskutieren:
  • the "law of return" - the core of the self-determination of the Jewish people or Zionism - is racist
  • Israel is guilty of crimes against humanity and "a contemporary form of apartheid"
  • Israel's security fence is a "segregation wall"
  • a provision condemning Israel's actions in Gaza
  • while Israel is repeatedly condemned, not one of the other 191 UN states is mentioned
  • a proposal to delete reference to the numbers of Jews murdered in the Holocaust - on the grounds that it is questionable
  • a claim that "religions" - as opposed to individuals - can be "defamed"
  • provisions curtailing free speech - "abuse of freedom of expression"
  • efforts to limit and govern the media by "a code of ethical conduct"
  • creation of a hierarchy of victims, with Muslim minorities on top - "most disturbing phenomenon is the intellectual and ideological validation of Islamophobia"
  • efforts to trump universal rights and freedoms by references to cultural diversity, "cultural particularities," religious and cultural "identities"
  • undermining counterterrorism activities by alleging they increase racism
  • challenges to any responsibility for the trans-Saharan slave trade and the slave trade in the Indian Ocean
  • introducing "anti-Arabism" as intolerance against a religious minority
  • attempting to introduce laws against "projecting negative, insulting and derogatory images of religions and religious personalities"
  • calls for new laws endangering rights and freedoms, such as, laws on "respect for human rights and reputation, public morals, and incitement to racial and religious hatred and freedom of expression"
Als ob das nicht ausreichen würde, hat die neuste US-Diplomatieoffensive im Gazastreifen den Grundsatz, nicht mit Terroristen zu verhandeln, nun endgültig über Bord geworfen. Eine gemeinsame Regierung von Hamas und Fatah wurde dieses Wochenende von der US-Regierung befürwortet.

Das sind beängstigende Signale, die alle darauf hinauslaufen, dass man sich in Washington weder am Terrorismus der Hamas, noch am geheimen Krieg der Syrer gegen Israel und die USA stört. Was auch immer die Obama-Administration bringen mag: Der Beginn der Amtszeit des neuen Präsidenten lässt das schlimmste befürchten.

Nachtrag:
Ich sehe gerade, dass beim Wadi-Blog eine ähnliche Meinung vertreten wird. Über die Feststellung, dass die Obama-Administration sich für eine Fatah-Hamas-Regierung einsetze weil eine solche die Stabilität in der Region fördere, heißt es dort: "Ihr Zauberwort: Stability. Nicht Demokratie, nicht Wandel, nicht Freiheit, nichts davon, nein Stabilitaet, um jeden Preis mit jedem. Nur: das funktioniert nicht. Ein paar tausend oder hunderttausend Tote spaeter - von all den verpassten Chancen nicht zu reden - werden auch sie es einsehen, nur eben einmal mehr zu spaet. Es scheint wirklich ganz so, als gestalte sich die Nahostpolitik Obamas noch schlimmer, als selbst Pessimisten befuerchtet haben."
Und auch von den Vorbereitungen für Durban II hört man neues: "Durban II draft document 'getting worse'".

2/11/2009

Übersetzungsfehler

Immer wieder sieht man solche Bilder. Und auf denen kann man erkennen, wie genau im Iran übersetzt wird. Ganz oben auf der Fahne steht vermutlich ein persischer Schriftzug, der nicht mehr zu erkennen ist. Darunter dann die arabische Übersetzung: al-Maut li-Israel. Und das heisst nicht etwa "down with Israel", wie man es der englischen Schriftzug nahelegt, sondern "Tod Israel!" Das macht nun nicht wirklich einen Unterschied, denn gemeint ist ja dasselbe, aber beachtlich ist es trotzdem, denn soetwas wird seit der Islamischen Revolution betrieben. Als Klolektüre führe ich mir gerade einen Band mit iranischen Propagandabildchen zu Gemüte, in dem alle möglichen Plakate und Wandmalereien aus der Revolutionszeit versammelt sind. Dort findet sich bereits derselbe "Übersetzungsfehler". Und irgendwie ist es ja auch bemerkenswert, dass solche falschen Übersetzungen im Iran immer wieder auftauchen. Hier zum Beispiel bei einer Demonstration in Teheran im September des letzten Jahres. "Mark bar Israel" ist persisch für "Tod Israel":



Man fragt sich, was das ganze soll. Während die Mullahs ihre antisemitischen Drohgebärden ganz offen in alle Welt hinausposaunen, hält man sich auf solchen Plakaten mit einem Mal zurück. Könnte es vielleicht sein, dass man im Iran einfach das Englische nicht beherrscht?

Fotos via Gateway Pundit.