12/09/2008

Posener, das Zentrum für Antisemitismusforschung und die "Islamophobie"

Dass Alan Posener "seinen Hitler" genau gelesen hat, glaube ich ihm aufs Wort. Wie sonst ließe sich erklären, dass der Mann Auffassungen vertritt, wie diese:
Wir brauchen eine Tapferkeitsmedaille. Muss es gerade das Eiserne Kreuz sein? Ja, gerade das Eiserne Kreuz sollte es sein. Gestiftet 1813 in den Befreiungskriegen gegen den Imperialismus Napoleons, entworfen von Preußens größtem Künstler Friedrich Schinkel, hat es eine schlichte Würde und - trotz alledem und alledem - eine beeindruckende Tradition. Man muss nur den Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte besuchen, um eine Ahnung davon zu bekommen.
Wenn Posener sich positiv auf die sogenannten "Befreiungskriege" bezieht, den Kampf, den deutsche Nationalisten gegen die Werte der französischen Revolution führten, spricht dies ebenso für sich, wie seine Verteidigung der Konferenz des Zentrums für Antisemitismusforschung, die unter dem schönen Titel "Feindbild Muslim - Feindbild Jude" organisiert wurde. Darüber, wie absurd diese Gleichsetzung ist, wurde bereits einiges geschrieben, unter anderem hier und hier.

Poseners Verteidigung von Wolfgang Benz, der sich durch seine peinlichen Manöver zunehmend selbst diskreditert (und nebenbei bereits nach den Anschlägen vom 11. September Verständnis für die Terroristen fand), ist vor allem deshalb absurd, weil er der Meinung ist, dass man den "widerlichen Rassismus" (Nicolas Sarkozy), der zum Ausdruck kommt, wenn Neonazis "Hunderte von Gräbern muslimischer Gefallener" schänden, auch als "Islamfeindschaft oder Muslimfeindschaft oder Antiislamismus oder was auch immer" bezeichnen könne.

Dass es vielleicht rassistisch sein könnte, jeden Araber, der im Ersten Weltkrieg für Frankreich gekämpft hat, als Muslim zu bezeichnen, kommt Posener nicht in den Sinn. Stattdessen betont er immer wieder, es handele sich bei den gefallenen Soldaten um Muslime. Dass Rassisten den Islam ablehnen, versteht sich von selbst. Weshalb dies aber die Annahme nach sich ziehen soll, sie würden primär von ihrem Hass auf den Islam angetrieben und nicht von rassistischen Motiven, vermag Posener nicht zu erklären.

Wenn ich mir die Karikaturen der "Muslimfeinde" so anschaue, habe ich den Eindruck, dass es sich um nichts anderes handelt, als um den alten Rassismus, der sich ins religionskritische Gewandt kleidet. Islam, das sind dem Rassisten dunkelhäutige, verschlagene Arabertypen; der Islamist ist weder ein Adam Gadham, noch ein Murad Hofmann oder ein Cat Stevens, sondern immer nur die alte Karikatur des arabischen Scheichs.

Dass Posener diesen Rassismus mit Islamophobie gleichsetzt, ist nicht nur ein inhaltlicher Fehler, sondern eine Schlussfolgerung, die selbst auf rassistischen Prämissen beruht. So wird - wie auf dem französischen Soldatenfriedhof - jedes Opfer rassistischer Gewalt zum Muslim gemacht. Und genau das ist es, was der politische Islam, im Krieg der Ideen erreichen möchte: Den Muslimen soll vermittelt werden, dass sie nicht wegen ihrer Hautfarbe unter rassistischen Diskriminierungen zu leiden hätten, sondern wegen ihres Glaubens, für den sie den antisemitischen Kampf gegen die Juden und Kreuzfahrer zu führen hätten.

6 comments:

Outcut said...

Wenn Posener sich positiv auf die sogenannten "Befreiungskriege" bezieht, den Kampf, den deutsche Nationalisten gegen die Werte der französischen Revolution führten

in dem Punkt muß man Posener verteidigen. Es klingt ja nun reichlich absurd, daß die Truppen Napoleons als Armee der Menschenrechte aufgetreten ist, um überallhin den Code civil gegen den Widerstand von bösen Monarchisten, Nationalisten, etc. hinzutragen. Machen wir demnächst dieses Spiel auch mit dem 30-jährigen Krieg? Den deutschen "Nationalisten" von 1812 kann man nicht das gleiche Denken unterstellen wie den Deutschnationalisten von 1912.


Ansonsten stimmt es schon, daß rechte Parteien wie "Pro Köln" mit "Überfremdung" Wahlkampf machen. Sie schlachten die jetzige Diskussion um die Integration von Muslimen in Deutschland und Europa für generell ausländerfeindliche mithin rassistische Hetze aus.

Gleichzeitig versuchen einige von ihnen aber mittlerweile, ihre ausländerfeindliche Hetze als antiislamische, gar antitotalitäre Rhetorik zu verkaufen. Nebenbei liefern also diese rechtsradikalen Gruppierungen genau das Argumentationsmaterial für den politischen Islam, der den Muslimen vermitteln soll, dass sie nicht wegen ihrer Hautfarbe unter rassistischen Diskriminierungen zu leiden hätten, sondern wegen ihres Glaubens.

Outcut said...

hier noch etwas, was den Unterschied 1812 ... 1912 verdeutlicht:

"Köpfe" von Kurt Tucholsky

... In pace? In bello!

Leonard Zelig said...

Ich werfe Posener vor, dass er an eine antiaufklärerische Tradition anknüpft, wenn er die antinapoleonischen Kriege als "Befreiungskriege" abfeiert. Die blödsinnige Aussage, die deutschen Nationalisten von 1812 seien bereits Nazis gewesen, habe ich nie getroffen. Allerdings bin ich der Meinung, dass der deutsche Nationalismus schon damals einen Teil der nationalsozialistischen Ideen vorwegnahm. Zum Beispiel Theodor Körner, der ganz begeistert vom spritzenden Franzosenblut "singt" oder all die Antisemiten, die vor allem deshalb gegen Napoleon waren, weil er die Emanzipation der Juden brachte. Und von solchen Leuten wurde dann auch der Begriff "Befreiungskrieg" geprägt, den Posener zustimmend zitiert.

Meine Argumentation läuft eben darauf hinaus, dass sich die vermeintliche "Islamophobie" bisher immer als ordinärer Rassismus entpuppt hat und sich nicht primär gegen den Islam richtet. Auch wenn der Islam thematisiert wird, erkennt man doch ganz deutlich den rassistischen Einfluss, wie zum Beispiel bei den "antiislamischen" Postkarten, zu denen ich verlinkt habe. Da wimmelt es nur so von ausländerfeindlichen Bildern. Das ist rassistisch, aber "Islamophobie" sehe ich darin nicht.

Outcut said...

Allerdings bin ich der Meinung, dass der deutsche Nationalismus schon damals einen Teil der nationalsozialistischen Ideen vorwegnahm. Zum Beispiel Theodor Körner, der ganz begeistert vom spritzenden Franzosenblut "singt" oder all die Antisemiten, die vor allem deshalb gegen Napoleon waren, weil er die Emanzipation der Juden brachte. Und von solchen Leuten wurde dann auch der Begriff "Befreiungskrieg" geprägt.

ich glaube gerne, daß solche Momente auch schon 1812 eine Rolle spielten, sicher läßt sich das auch mit Textstellen zur Genüge belegen - allerdings ist mein Vorstellungsvermögen etwas überfordert, wenn es darum geht, in den Befreiungskriegen insgesamt eine Manifestation einer antiaufklärerischen und antisemitischen Bewegung zu sehen.

wie zum Beispiel bei den "antiislamischen" Postkarten, zu denen ich verlinkt habe. Da wimmelt es nur so von ausländerfeindlichen Bildern. Das ist rassistisch, aber "Islamophobie" sehe ich darin nicht.

Absolut richtig. Diese Postkarten sind ganz braune Schiene ..

Outcut said...

Meine Argumentation läuft eben darauf hinaus, dass sich die vermeintliche "Islamophobie" bisher immer als ordinärer Rassismus entpuppt hat und sich nicht primär gegen den Islam richtet.

dasselbe dachte ich mir bei der Diskussion in den letzten Tagen übrigens auch. "Pro Köln" und andere rechtsradikale Gruppen haben mit dem Islamthema ein Mäntelchen für üble Hetze. Die Gefahr liegt darin, daß über diese Masche Teile der Bevölkerung gegenüber rassistischer Hetze abstumpfen könnten.

Auch noch sehr interessant:
http://www.lizaswelt.net/2008/12/zentrum-fr-ahnungslose.html

MrB said...

Der Blogeintrag wirkt ja schon ein wenig konstruiert und bemüht.
An der behaupteten "Gleichsetzung" würde ich mich nicht hochziehen, ich bezweifle, dass diese stattgefunden hat (jaja, das Zitat ist mir bekannt).
Ich finde dagegen den Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie (was immer das auch heissen soll, es soll alle Islamkritiker treffen) beleidigend.
Posener ist (mal wieder) auf dem falschen Dampfer.