In der heutigen Ausgabe der jungen Welt findet sich unter der Überschrift "Schlecht für die Juden" ein Artikel von Eric Hobsbawm, in dem dieser behauptet, der israelische Verteidigungskrieg in Gaza "befördert den Antisemitismus in der Welt". Der Mann ist mit Sicherheit nicht dumm und meist ist es sogar erhellend, sich die Ansichten des marxistischen Historikers zu Gemüte zu führen - allerdings gleitet er immer dann ins Ressentiment ab, wenn er sich über den israelischen Staat äußert und so verwundert es dann auch nicht weiter, dass sein Elaborat in der jungen Welt genau den richtigen Platz für eine Veröffentlichung gefunden hat, denn dort ist man seit jeher der Meinung, dass die Juden selbst am Antisemitismus schuld seien.
Die Krieg in Gaza, schreibt Hobsbawm, "ist offensichtlich schlecht für die 5,5 Millionen Juden, die in Israel und in den seit 1967 besetzten Gebieten leben. Ihre Sicherheit wird durch militärische Aktionen gefährdet, die israelische Regierungen in Gaza und im Libanon unternehmen. Solche Aktionen zeigen deren Unfähigkeit, die erklärten Ziele zu erreichen, und verewigen und intensivieren Israels Isolation im feindlichen Nahen Osten." Für den sonst so nüchternen Historiker sind es nicht die Raketen der Hamas, die das Leben der israelischen Staatsbürger gefährden, sondern die Reaktion der Israelis auf diese Angriffe der Hamas. Würde Hobsbawm nicht in London sondern in Sderot leben, würde er die Dinge vielleicht anders sehen.
Bemerkenswert ist jedoch vor allem die folgende Passage:
Ebenso wie der Libanon-Krieg im Jahre 2006 hat der Gaza-Krieg Israels Zukunftsaussichten verdüstert. Er hat auch die Aussicht für die neun Millionen Juden verdüstert, die in der Diaspora leben. Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Kritik an Israel bedeutet nicht unbedingt Antisemitismus, aber Israels Regierungshandlungen rufen Scham unter den Juden und heute mehr Antisemitismus als alles andere hervor. Seit 1945 haben Juden, innerhalb und außerhalb Israels, enorm von dem schlechten Gewissen jener westlichen Welt gezehrt, die jüdische Einwanderung in den 1930er Jahren verweigerte, Völkermord beging oder darin versagte, ihm zu widerstehen. Wieviel von dem schlechten Gewissen, das praktisch 60 Jahre lang Antisemitismus im Westen ausgeschlossen und ein goldenes Zeitalter für die Diaspora produziert hat, ist heute übrig- geblieben?Hobsbawm ist der Meinung, dass man Antisemitismus nicht mit dem Baseballschläger bekämpft, sondern am besten mit einem schlechten Gewissen. Der für gewöhnlich marxistische Historiker sieht den Antisemitismus als eine Art Schicksal, dem man nicht entkommen kann, es sei denn, man befördert das schlechte Gewissen der Gojim und macht sich zum schwachen und hilfsbedürftigen Opfer, das der Antisemit im Juden sehen möchte. Und das Israel dieser Rolle nicht gerecht wird, bedauert Hobsbawm ungemein:
Israel ist, wie Gaza zeigt, nicht das Opfervolk der Geschichte, auch nicht das »tapfere kleine Israel« der Jahre 1948 bis 1967, wie es der Mythos von einem David, der all seine ihn umgebenden Goliaths besiegt haben will. Israel verliert das internationale Wohlwollen so schnell wie die Vereinigten Staaten es unter George W. Bush verloren, und zwar aus ähnlichen Gründen: nationalistische Blindheit und Größenwahn militärischer Macht.Insofern unterscheidet Hobsbawms Argumentation sich vom Antisemitismus wie er in der jungen Welt praktiziert wird. Während man sich in den Redaktionsstuben der berliner Linken vom angeblich schlechten Gewissen befreien möchte um dem Ressentiment gegen die Juden freien Lauf lassen zu können, will Hobsbawm den Zustand jüdischer Unschuld zurück damit eben auch eben jenes schlechte Gewissen mit dem er den Antisemitismus eindämmen möchte. Auch das ist dumm und bedient sich an antisemitischen Bildern, entspricht aber nicht der Linie die von den linken Judenhasser der jungen Welt vorgegeben wird.




